Extraverbale Kommunikation – Definition & Beispiele

Glossar

Definition & Beispiele – Extraverbale Kommunikation

Die extraverbale Kommunikation macht sich am Verhalten im Raum fest. Es sind jedoch kulturspezifische Eigenheiten zu beachten. Dabei setzen Personen aus Südeuropa und Südamerika extraverbale Kommunikation in der Regel ausgeprägter ein als Nordeuropäer.

Abbildung: Extraverbale Kommunikation in Verbindung mit verbaler und nonverbaler Kommunikation
 
Expressive Kommunikation im Vergleich zu anderen Kommunikationsstilen

1. Extraverbale Kommunikation: Distanz und Nähe

Es gibt kulturspezifische Unterschiede, die beschreiben, wo der private Raum endet und der öffentliche anfängt. Man kann dies auch mit sogenannten „Bubbles“ also Blasen, beschreiben. Dabei sagt die Blase um einen herum aus, welche Distanz man bei Gesprächspartnern als angenehm empfindet. Nordeuropäer haben dabei zum Beispiel normalerweise größere Bubbles, welche weiter voneinander entfernt sind als die der Menschen aus Südeuropa. Zudem ist auch das Verhältnis, welches Personen zueinander haben, maßgebend für die Größe der Blase. Es geht dabei darum, wie sich die Kommunizierenden gerade fühlen und was sie machen.

Daraufhin unterscheidet sich die Art und Anzahl von Berührungen, die sich Personen in alltägliche Situation zuwenden, von Kultur zu Kultur. In lateinamerikanischen Kreisen gelten körperliche Nähe und Berührungen zwischen Gesprächspartnern als normal, während Nordamerikaner und Nordeuropäer diese Nähe als unangebracht einschätzen. Fühlt man, dass die eigene angemessene Körperdistanz unterschritten wird, zeigt man dies mit extraverbalen Zeichen, wie Abwenden oder das Kreuzen der Arme vor der Brust. Es besteht aber das Problem, dass sobald ein Nordeuropäer zurückweicht, der südeuropäische Gesprächspartner nachrücken wird um eine für ihn angenehme Distanz zu erreichen, welche ihm kulturell eingeprägt wurde. In einer Studie bei der Gesprächspartner in ähnlichen Situationen aus verschiedenen kulturellen Kreisen beobachtet wurden, wie zum Beispiel beim Kaffee trinken, fanden Wissenschaftler heraus, dass in demselben Zeitrahmen, Puerto Ricaner weitaus mehr körperliche Berührungen (180 Kontakte) hatten als zum Beispiel Nordamerikaner (2 Kontakte).

2. Extraverbale Kommunikation: Begrüßung

Es gibt verschiedene Begrüßungsrituale, wie Handschlag, Wangenkuss und Verbeugung, die sich weltweit entwickelt haben und kultur- aber zum Beispiel auch geschlechterspezifisch angewandt werden. Man kann dabei zwischen berührungsreichen Regionen wie zum Beispiel Afrika, Naher Osten, Südamerika und Südeuropa und auf der anderen Seite berührungsarmen Regionen, wie Nordeuropa und Ostasien, unterscheiden.
Deutsche begrüßen sich, wie in westlichen Kulturkreisen üblich, mit einem Handschlag. Dabei wird auch auf den Händedruck des Gegenübers geachtet, da man laut des deutschen Kulturkreises daraus auf die Persönlichkeit schließen kann. Jemand mit einem schlaffen Händedruck kann darauf zum Beispiel als unzuverlässig bezeichnet werden. Allerdings ist es zum Beispiel unter Briten und Franzosen einfach üblich sich nur mit einem leichten Handschlag zu begrüßen, was unter Deutschen dann falsch interpretiert werden kann. In Ländern, in denen die Geschlechterrollen stark ausgeprägt sind, wie zum Beispiel Russland oder der Ukraine, wird nur Männern zur Begrüßung die Hand gegeben.
In romanischen Ländern, wie vor allem in Frankreich, begrüßt man sich mit einem oder mehreren Wangenküssen. Die Häufigkeit und Intensität hängt jedoch von der Art der Beziehung (Freund/in, Familie, Fremde/r) oder der Situation. Bei einer erstmaligen Begegnung, kann jedoch auch die Hand gegeben werden. Es gibt hierbei jedoch auch große regionale Unterschiede, die an einer größeren Distanz im nördlichen Teil des Landes festzumachen ist. Auch kann es geschlechterspezifische Unterschiede beim Begrüßen mit dem Wangenkuss geben.
In Ländern des ostasiatischen Raumes ist eine Verbeugung das typische Begrüßungsritual. Hier gibt es jedoch auch diverse Faktoren, die beachtet werden müssen. Zum Beispiel muss die Höhe der Verbeugung dem sozialen Status angepasst werden: so müssen sich Personen, die einem niedrigeren sozialen Status zugehörig sind, tiefer vor Personen mit höherem Rang verbeugen. Auch müssen die Verbeugungen der beiden Gesprächspartner synchron ablaufen, wobei der Ranghöhere das Ende der Verbeugung angibt.

3. Extraverbale Kommunikation: Kontext

Man muss außerdem auch kontextbedingte Aspekte der extraverbalen Kommunikation beachten. Dabei kann es um die Kleidung im Alltag sowie in der Arbeitswelt gehen, da zum Beispiel in Japan und Indonesien zu Arbeitsmeetings korrekte Businesskleidung angebracht ist, in China oder Malaysia hingegen diese zu solchen Anlässen legere sein kann. Zudem kommt, dass zum Beispiel in Korea oder Japan unter Geschäftsleuten Geschenke übergeben werden. Weitere kontextbedingte Verhaltensweisen können auch das Ausziehen von Schuhen in Wohnungen (z.B. Hong Kong, Japan) oder das Vermeiden von (geräuschvollem) Nase putzen (z.B. Japan, Korea) sein.

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