Interkulturelle Persönlichkeit – Entwicklung & Modell

Glossar

Entwicklungstheorie zum Thema interkulturelle Persönlichkeit

Entwicklung kann sich auf viele Bereiche beziehen, wie zum Beispiel auf Technologie oder den Menschen. Es gibt verschiedene Entwicklungstheorien, die alle bestimmte Entwicklungsstufen miteinbeziehen. Die Übergänge zwischen den Entwicklungsstufen sind entweder als kontinuierlich oder sprunghaft anzusehen. Außerdem können verschiedene Kräfte die jeweiligen Theorien beeinflussen.

Interkulturelle Persönlichkeit: Entwicklung

Unter der Entwicklung interkultureller Persönlichkeit versteht man die Entwicklung des menschlichen Individuums unter Einbeziehung von interkulturellen Kompetenzen. Die interkulturelle Persönlichkeitsentwicklung beinhaltet verschiedene Komponenten, wie die kognitive, emotionale, moralische und kommunikative. Außerdem verändern sich im Laufe der Entwicklung die kulturelle Orientierung sowie die kulturellen Kompetenzen.

Der Anfangspunkt interkultureller Persönlichkeit ist der neugeborene Mensch, der in die ihn umgebende Kultur und Gesellschaft hineinwächst (Enkulturation), da er nur Erfahrungen in einem begrenzten kulturellen Kontext macht. Die eigene Erfahrung und Kultur wird hierbei als selbstverständlich angesehen und neue Erfahrung zunächst als fremd. Der Endpunkt ist nicht explizit zu bestimmen, stellt jedoch die “vollkommen multi- und transkulturelle Persönlichkeit” dar, welche sich in sämtlichen kulturellen Kontexten zurechtfindet. Dazwischen gibt es verschiedene, mindestens aber 4 Entwicklungsstufen, die sich von Theorie zu Theorie unterscheiden können.

Krewers Vier-Stufen-Modell

Das Modell interkultureller Persönlichkeitsentwicklung von Bernd Krewer (1994) ist ein Vier-Stufen-Modell, welches einen zunehmend differenzierten Umgang mit der Fremdheit zeigt und dabei die Lernziele von interkulturellen Training für den Stufenübergang impliziert.

Interkulturelle Persönlichkeit Modell – Vier Stufen des Modells sind:

1.ethnozentrische Personalisierung
Da kulturelle Unterschiede nicht berücksichtigt werden, wird anderweitiges Verhalten als fremd und seltsam bewertet. In dieser Stufe ist es wichtig, dass einem die kulturellen Unterschiede bewusst werden.

2. kulturalistische Überinterpretation
In dieser Stufe werden andere kulturelle Muster bereits erkannt und mit der eigenen Kultur gemessen, jedoch noch unreflektiert. Eine Person wird hierbei einer Kultur und einem Verhalten zu dieser Kultur zugeordnet. Das Ziel auf dieser Stufe das Erkennen von Stereotypen in anderen Kulturen aber auch eigener Kulturstandards, damit einem klar wird, welche Auswirkung diese auf die interkulturelle Kommunikation haben könnten.

3. kulturbewußte Repersonalisierung
Es entsteht ein Bewusstsein für die Regeln und entstehenden Konsequenzen verschiedener kulturbedingter Handlungen. Dadurch können spezifische Persönlichkeiten und Subgruppen in der fremden und eigenen Kultur erkannt werden. Das Ziel dieser Phase ist das Erlernen des Umgangs mit verschiedenen kulturellen Regeln und dem eigenen Toleranzbereich. Dies schafft die Voraussetzung für die letzte Ebene.

4. (inter-) kulturelle Kreativität (Synergie)
Im Vordergrund steht hier die Entwicklung von interkulturellen Lösungen. Dabei ist es wichtig, dass man bereit ist Muster der Kommunikation und der Kooperation weiterzuentwickeln, aber auch vorläufige Ergebnisse akzeptiert. Lernziel ist es hier Strategien zur interkulturellen Problemlösung, Kommunikationsfähigkeit und des Verhaltens in interkulturellen Überschneidungssituationen zu entwickeln. Dabei sollten aber auch innovative Neuschöpfungen in der eigenen Kultur entwickelt und umgesetzt werden.

Quelle: Krewer, Bernd, Interkulturelle Trainingsprogramme – Bestandsaufnahme und Perspektiven. In: Nouveaux Cahiers d’Allemend 1994, S. 139 ff

Siehe auch: Krewer, Bernd und Eckensberger, Lutz H.: Selbstentwicklung und kulturelle Identität (1991)

Artikel- und Seminarhinweise zum Thema “Interkulturelle Persönlichkeit – Entwicklung & Modell”

  • Interpersonale Kommunikation Definition

    Interpersonale Kommunikation – Definition

    Definition interpersonale Kommunikation

    Menschen können auf verschiedene Arten miteinander kommunizieren. Die Kommunikationsformen unterscheiden sich dabei von Kultur zu Kultur. Für eine erfolgreiche (interpersonale) Kommunikation ist es wichtig, dass die Gesprächspartner die diversen kulturspezifischen Zeichen verstehen, wie zum Beispiel Grußformeln,

  • Interkulturelle Pädagogik Definition

    Interkulturelle Pädagogik – Definition

    Förderung kultureller Herkunft: Interkulturelle Pädagogik

    Unter interkultureller Pädagogik versteht man eine Vielzahl an Konzepten innerhalb der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, die das gemeinsame Leben und Lernen von Menschen verschiedener kultureller Herkünfte fördern sollen. Diversität wird dabei als Bereicherung und Potenzial gesehen….weiter lesen

  • High context - low context

    Definition high context & low context Kommunikation

    Die Art und Weise wie Personen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander kommunizieren unterscheidet sich zum Teil stark und ist unter anderem davon abhängig, ob die Kommunikation nach Regeln der high context Kommunikation oder…weiter lesen

  • Ethnozentrismus und Polyzentrismus

    Ethnozentrismus und Polyzentrismus

    Ethnozentrismus beschreibt eine Denkweise, bei der andere Kulturen und Gemeinschaften aus der Perspektive der eigenen Kultur beurteilt und anhand der eigenen Normen bewertet werden. Die Abweichung von eigenen kulturellen Werten wird als negativ empfunden und…weiter lesen

 

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  • IKUD Glossar

    IKUD Glossar – Übersicht

    Übersichtsseite mit allen Begriffen des Glossars rund um das Thema Interkulturelles Lernen…weiter lesen

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