Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität und Plurikulturalität

Glossar

Multikulturalität

Multikulturalität bezieht sich auf die sozialen Strukturen einer Organisation oder Gesellschaft. Im Sinne der Multikulturalität wird davon ausgegangen, dass es nicht zur Verschmelzung der verschiedenen Kulturen kommt, sondern, dass sie nebeneinander bestehen.

Interkulturalität

Unter Interkulturalität versteht man das Aufeinandertreffen von zwei oder mehr Kulturen, bei dem es trotz kultureller Unterschiede zur gegenseitigen Beeinflussung kommt.

Bei dem Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen werden die eigene kulturelle Identität und Prägung wechselseitig erfahrbar. Interkulturalität meint dabei die Einnahme und das Denken aus der jeweilig anderen Perspektive ohne das Ziehen vorschneller Schlüsse. Das Fremde soll nicht in das eigene Selbstverständnis angegliedert, sondern erstmal nur bewusst zur Kenntnis genommen werden. Um das Andere zu verstehen, muss man sich seines eigenen Blickwinkels gewahr werden. Die fremde und eigene Kultur treten damit in eine produktive Beziehung des gegenseitigen Austausches. Nach und nach wird die Alterität so zur Vertrautheit, die sich reziprok und partiell in die eigene Kulturerfahrung integrieren lässt.

Alois Wierlacher hat in seinen Studien betont, dass in kulturellen Überschneidungssituationen eine Zwischenposition, die sogenannte dritte Ordnung, entsteht. Dieses neue „Dritte“ entspricht keiner der beiden beteiligten Kulturen und stellt auch keine Kombination aus beiden dar. Vielmehr ist es als eine Synergie zu verstehen, die völlig neuartiger und unvorhersehbarer Natur ist. So entsteht ein wechselseitiger Verstehensprozess, der ein kulturelles Miteinander ermöglicht.

Literatur zum Thema Interkulturalität

Albrecht, Corinna (1997): Überlegungen zum Konzept der Interkulturalität. In: Yves Bizeul, Ulrich Bliesener und Marek Prawda (Hg.): Vom Umgang mit dem Fremden. Hintergrund -Definitionen -Vorschläge. Weinheim/Basel, S. 116-122.
Wierlacher, Alois (2003): Handbuch interkulturelle Germanistik. Stuttgart/Weimar: Metzler.
Wierlacher, Alois (1999): Interkulturalität. Zur Konzeptualisierung eines Leitbegriffs interkultureller Literaturwissenschaft. In: Henk de Berg und Matthias Prangel (Hg.): Interpretation 2000: Positionen und Kontroversen. Festschrift zum 65. Geburtstag von Horst Steinmetz. Heidelberg, S. 155-181.

Transkulturalität

Der Begriff der Transkulturalität geht im Gegensatz zur Interkulturalität und Multikulturalität davon aus, dass Kulturen nicht homogene, klar voneinander abgrenzbare Einheiten sind, sondern, besonders infolge der Globalisierung, zunehmend vernetzt und vermischt werden. Die Transkulturalität umschreibt genau diesen Aspekt der Entwicklung von klar abgrenzbaren Einzelkulturen zu einer Globalkultur.

Transkulturalität nach Wolfgang Welsch

Mit Transkulturalität beschreibt Wolfgang Welsch (1997) das Konzept einer Gesellschaft, in der sich kulturelle Identitäten durch die Vermischung von Elementen verschiedener Kulturen konstituieren. Kulturelle Grenzen und die Vorstellung homogener Nationalkulturen werden aufgehoben, indem einzelne Kulturen innerhalb einer Gemeinschaft verschmelzen. So lassen sich moderne Gesellschaften als strukturell heterogen und hybrid auffassen.

Dem Konzept liegt eine bestimmte Vorstellung von „Kultur“ zugrunde: Kulturen existieren demnach nicht als voneinander abgrenzbare Einheiten, sondern greifen ineinander und integrieren Fremdes und Eigenes. Sie sind dynamische Gebilde, die sich durch geschichtliche oder interkulturelle Wandlungen in einem stetigen Fluss befinden. Außerdem bildet Kultur sich nicht nur innerhalb einzelner Staaten, sondern formiert sich in verschiedenen kulturellen Kollektiven wie zum Beispiel religiösen, politischen oder sozialen Gruppierungen. Die individuelle Identität setzt sich damit zwangsläufig aus verschiedenen kulturellen Zugehörigkeiten zusammen.

Literatur zum Thema Transkulturalität

Welsch, Wolfgang (1997): Transkulturalität. Zur veränderten Verfassung heutiger Kulturen. In: Schneider, Irmela/Thomson, Christian W. (Hg.): Hybridkultur: Medien, Netze, Künste. Köln: Wienand 1997, S. 67-90.

Plurikulturalität

Die Plurikulturalität beschreibt das Vorhandensein vieler verschiedener Kulturen, ohne auf eine Interaktion oder Vermischung der Kulturen einzugehen.

Artikel- und Seminarhinweise zum Thema „Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität und Plurikulturalität“

  • Beziehungsorientierung - Sachorientierung

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    Sachorientierung – Definition Sach- und Beziehungsorientierung sind wichtige kulturelle Orientierung, die starken Einfluss auf den Umgang von Menschen miteinander haben. Dies gilt sowohl für private als auch geschäftliche Beziehungen, es resultieren – je nachdem wie die Einstellung zur Sache bzw….weiter lesen

  • Interkultureller Trainer - Ausbildung

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    Interkulturelle Trainerausbildung: Interkultureller Trainer (m/w) werden IKUD® Seminare bietet bereits seit Herbst 2006 eine praxisorientierte und durch die Deutsche Gesellschaft für interkulturelle Trainingsqualität e.V. (dgikt) geprüfte und zertifizierte „Ausbildung interkultureller Trainer (m/w) in 5 Modulen“ an. Mittlerweile haben mehr als…weiter lesen

  • emisch - etisch - Ansatz

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    Definition emisch/ emischer Ansatz Der emische Ansatz ist ursprünglich eine Herangehensweise aus der Ethnolinguistik, bei dem der Forscher einen Standpunkt innerhalb eines Systems oder einer Kultur einnimmt. Dieser Ansatz kann jedoch auch auf die kulturvergleichende und interkulturelle Forschung übertragen werden….weiter lesen

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    Transkulturalitätsbegriff nach Wolfgang Welsch Ein in seiner Komplexität bisher noch nicht hinreichend erfasster, dafür aber sehr interessanter Ansatz ist derjenige der „Transkulturalität“. Ursprünglich durch den Kubaner Fernande Ortiz geprägt, nahm der Jenaer Philosoph Wolfgang Welsch den Transkulturalitätsbegriff im deutschsprachigen Raum…weiter lesen

 

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