Selbstbild und Fremdbild – Selbstkonzept

Glossar

Selbstkonzept und Fremdkonzept: Definition Selbstbild

Das Selbstbild bezeichnet die Vorstellung über die eigene Person. Sie steht im Vergleich zum idealisierten Wunschbild und umfasst Eindrücke über eigene Charakterzüge und die Persönlichkeit. Durch das Selbstbild was wir von uns haben, wird unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst.

Definition Fremdbild

Im wechselseitigen Zusammenhang zum Selbstbild steht das Fremdbild. Es beinhaltet die Vorstellung über eine Person aus Sicht einer anderen Person, die durch Erfahrungen, Einstellungen und Stereotypen des Außenstehenden beeinflusst wird. Beide Bilder stehen in wechselseitigem Zusammenhang und verändern sich gegenseitig.

Selbstbild & Selbstbildungsprozesse

Allgemein ist das Selbst ein diffuser Zusammenschluss aus Selbstbildern, Schemen, Thesen und Zielen, die man sich setzt. Auch Hoffnungen oder Vorstellungen eines jeden spielen in der Bildung von sich selbst eine wichtige Rolle. Das Selbstbild kann dabei als inneres Bild, welches ein jeder Mensch von sich hat, gesehen werden. Es handelt sich um eine Wissensstruktur der Selbstschemata über die eigene Person. Jedoch ist das Selbstbild nicht nur kognitiv, sondern auch konativ oder emotional zu definieren. Dies lässt sich am “Selbstbewusstsein” und am “Körperbild” erkennen. Letzteres orientiert zum Beispiel an dem kulturspezifischen Schönheitsideal. Auch die körperliche Mitte des Ichs unterscheidet sich je nach Kultur, dabei ist diese in buddhistischen Kulturen, wie zum Beispiel in Thailand, der Bauch, in normativen Gesellschaften, wie in Israel, das Herz und in kognitiv geprägten Regionen, wie Frankreich, das Gehirn.

Arten von Selbstkonzepten

Es gibt zum einen multidimensionale Selbstkonzepte. Diese können zum einen durch den dreidimensionalen Ansatz (Triandis, 1989), bei dem sich 3 Formen des Selbst herausbilden, beschrieben werden. Zum ersten gibt es das private Selbst, welches die Selbsteinschätzung über die eigenen Eigenschaften beschreibt (“Ich bin fleißig”), dann das öffentliche Selbst, welches die generellen Einschätzungen anderer beinhaltet (“Sie finden, ich sei fleißig”) und zuletzt das kollektive Selbst, welches die Einschätzung einer relevanten Gruppe über die Person beschreibt (“Meine Arbeitskollegen halten mich für zuverlässig”). Zudem gibt es auch einen vierdimensionalen Ansatz, welcher sich aus anderen Ebenen zusammensetzt: Hierbei gibt es das reale Selbst, welches beschreibt, wie man wirklich ist, das Selbstimage, das zeigt wie man sich sieht, das ideale Selbst, wie man gerne wäre, und das soziale Selbst ist die eigene Einschätzung zur Wahrnehmung von anderen. Allerdings ist bei diesem Konzept nicht klar, wie man damit umgehen sollte, wenn die einzelnen Dimensionen sich widersprechen.

Unabhängiges Selbstbild (individualistischer Kulturraum)

Außerdem kann das Selbst in abhängig und unabhängig eingeteilt werden. Bei dem unabhängigen Selbst gibt es die Idealvorstellung des autonomen Menschen, welcher sich auf sich selbst konzentriert, sich an seinen Fähigkeiten orientiert und von seinem Umfeld eher abgrenzt. Das Ziel hierbei ist die eigene Selbstverwirklichung. Es ist dabei jedoch auch klar, dass der Mensch nicht ohne sein soziales Umfeld existiert. Dieses wird jedoch zur Einschätzung der eignen Person benutzt; das heißt man vergleicht sich und evaluiert, wie man von anderen gesehen wird. In einem individualistischen Umfeld ist dieses Selbst erstrebenswert.

Abhängiges Selbstbild (kollektivistischer Kulturraum)

Demgegenüber steht das abhängige Selbst, welches im kollektivistischen Kulturraum verbreitet ist. Es fokussiert sich eher auf die Häufigkeit und Qualität der eigenen Beziehung zu den Mitmenschen. Man sollte sich dabei sozial anpassen, was dazu führt, dass die Selbstwahrnehmung nicht sehr differenziert ist. Diese soziale Beziehung spiegelt sich sogar in der Sprache wieder. Eine koreanische Frau, welche von ihrem Ehemann spricht, sagt in ihrer Sprache übersetzt “unser Ehemann”, was ein abhängiges Selbstbild deutlich macht. Im Japanischen setzt sich zudem das Wort für “Mensch” aus den Schriftzeichen “nin” und “gen” zusammen. Das erstere heißt zwar schon “Mensch”, aber da sich dieser durch das Zusammenspiel mit dem sozialen Umfeld definiert, wird noch der Ausdruck für “zwischen” hinzugefügt. Im kollektivistischen Kulturraum ist eher Selbstkontrolle und Selbstdisziplin das Ziel. Dabei ist Anpassung an sein soziales Umfeld ein wichtiger Aspekt und ist zum Beispiel schon durch überdurchschnittliche Leistungen sowie Übernahme von Verantwortung überschritten.

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