TOPOI-Modell von Edwin Hoffmann

Glossar

Das TOPOI-Modell der interkulturellen Gesprächsführung

Das sogenannte TOPOI-Modell bezeichnet ein 2015 von Edwin Hoffmann, einem niederländischen Forscher und Berater zum Thema interkulturelle Kommunikation, entwickeltes Modell der interkulturellen Gesprächsführung. TOPOI ist ein aus den niederländischen Wörtern Taal (Sprache), Ordening (Sichtweise), Personen, Organisatie (Organisation) und Inzet (Wollen) gebildetes Akronym.

Sprache (Taal) – so Hoffman – ordnet und strukturiert Wirklichkeit, wobei diese Ordnung und ihre Bewertung kulturell bestimmt sind.

Die individuelle Weltanschauung und Bewertung von Ereignissen fasst Hoffman unter der Sichtweise (Ordening) zusammen. Neben unterschiedlichen Wirklichkeitsauffassungen wird für ihn auch die persönliche Gesprächsführung individuell gewertet. Der Versuch, diese Unterschiede anzugleichen laut Hoffmann vergeblich; ein effektiver Weg, mit ihnen umzugehen, ist, sie zu anzuerkennen, d.h. den Anderen anzuerkennen, von ihm zu verlangen, auf das Recht zu verzichten, nach seiner Sichtweise zu handeln und zu sehen, dass Unterschiede aus etwas Gemeinsamem erwachsen.

Eine weitere wichtige Ebene in der Gesprächsführung sind die Personen. Treten Probleme in der interkulturellen Kommunikation auf, so liegt das meistens an der Beziehungsebene. Inhalts- und Beziehungsaspekt, kommunikative Rekursivität, persönliche und interpersonale Perspektiven, Selbstpräsentation und Rollen und Erwartungen sind zu berücksichtigen, ebenso der Einfluss sozialer Repräsentationen.

Der Bereich Organisation (Organisatie) beschäftigt sich mit dem organisatorischen Kontext und den strukturellen Machtverhältnissen. Wenige bis keine, der möglichen Kommunikationskonflikte und Missverständnisse haben laut Hoffmann mit kulturellen Unterschieden zu tun. So stellt die – für Mitarbeiter selbstverständliche – spezifische und differenzierte Organisation vieler sozialer Einrichtungen viele Menschen vor Kommunikationsprobleme; besonders für Migranten kann dies ein großes Problem darstellen.

Grundlage für den Bereich Wollen (Inzet) im TOPOI-Modell ist Watzlawicks Axiom, dass jedes Verhalten als Kommunikation aufgefasst werden kann. Der Konfliktpunkt hier liegt an den (kulturell mitbestimmten) Interpretationen, die es für jedes Verhalten gibt. Diese korrespondieren nicht immer mit der beabsichtigten Sinngebung. Wichtig ist ein Bewusstsein dieser Interpretationsunterschiede und der Tatsache der zirkulären Beeinflussung der Kommunikationsteilnehmer. Anerkennen, Ablehnen und Missverstehen werden als grundlegende Erfahrungen in der Kommunikation beschrieben.

Literatur

Hoffman, Edwin (2015): Interkulturelle Gesprächsführung. Theorie und Praxis des TOPOI-Modells, Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Rechtien, Wolfgang (2015): Rezension zu: Edwin Hoffman: Interkulturelle Gesprächsführung. Theorie und Praxis des TOPOI-Modells, In: socialnet Rezensionen, URL: https://www.socialnet.de/rezensionen/19480.php, Zugriff am: 23.04.2019.

Rezension zum Buch von Edwin Hoffman unter “Edwin Hoffman: Interkulturelle Gesprächsführung – Rezension

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